Historisches Rathaus von Limoges durch Brandstiftung zerstört
Bei gewaltsamen Ausschreitungen am Rande landesweiter Massenproteste in Frankreich ist das historische Rathaus von Limoges durch Brandstiftung weitgehend zerstört worden. Das 1883 von Architekt Charles-Alfred Leclerc entworfene Gebäude, das seit 1975 als monument historique unter Denkmalschutz steht, ging am Samstagabend in Flammen auf, nachdem maskierte Randalierer in das Rathaus eingedrungen waren.
Der zuständige Präfekt Maurice Barate sprach von einer Katastrophe für das kulturelle Erbe der Region und ganz Frankreichs. Das Dach sei auf die darunterliegenden Stockwerke gestürzt, zwei Drittel der Fassade seien bereits verschwunden. Nur der Westflügel des markanten Gebäudes blieb teilweise erhalten. Leclerc, der sich beim Entwurf am Pariser Rathaus orientiert hatte und zuvor sechs Jahre lang Chefarchitekt des Schlosses von Versailles gewesen war, schuf mit dem Bau ein architektonisches Wahrzeichen der zentralfranzösischen Stadt.
Landesweite Massenproteste gegen Lebenshaltungskosten
Gewerkschaften, Schüler, Studierende, Landwirte und andere Organisationen hatten für Samstag zu einem Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem aufgerufen. Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich landesweit 550.000 Menschen an den Demonstrationen, die Organisatoren sprachen von 800.000 Teilnehmern.
Die Proteste wurden ursprünglich durch wochenlange Blockaden von Gymnasien ausgelöst, bei denen Schüler bessere Lernbedingungen forderten. Zu den Hauptanliegen zählen Lehrermangel, verfallende Infrastruktur und chronische Unterfinanzierung im französischen Schulsystem. Die Bewegung weitete sich in den vergangenen Wochen zu einem breiteren Protest gegen die steigenden Lebenshaltungskosten aus. Prominente Vertreter der Gelbwesten-Bewegung, die 2018 gegen soziale Ungerechtigkeit und steigende Lebenskosten entstand, hatten zur Teilnahme an den aktuellen Demonstrationen aufgerufen.
1200 Festnahmen bei Gewaltausbrüchen
Nach Regierungsangaben wurden bei den Ausschreitungen rund 1200 Menschen festgenommen. Premierminister Sébastien Lecornu, der erst im September 2025 als fünfter Regierungschef in weniger als zwei Jahren ernannt worden war, sprach von Gewalt extremer Intensität. Der 39-jährige langjährige Macron-Vertraute, der seit 2022 als Verteidigungsminister amtierte, besuchte am späten Abend Einsatzkräfte in Paris. 150 Polizisten seien am Samstag verletzt worden. Es sei ein Wunder, dass die Bilanz nicht noch schlimmer ausfalle, erklärte Lecornu.
In Limoges, der Hauptstadt des Départements Haute-Vienne mit rund 130.000 Einwohnern im Stadtgebiet und etwa 323.000 in der Metropolregion, hatten Augenzeugen beobachtet, wie maskierte Demonstranten in das Rathaus eindrangen, um es in Brand zu setzen. Präfekt Barate bezeichnete dies als vorsätzliche Tat von Randalierern.
Verwüstungen in mehreren Städten
Am Rande der Demonstrationen kam es an vielen Orten zu Gewalt und Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und der Polizei. In mehreren Städten standen Gebäude in Flammen, Rathäuser wurden beschädigt, Geschäfte geplündert. In Paris, wo laut Innenministerium 110.000 Menschen an den Protesten teilnahmen, wurden nach Angaben von Bürgermeister Emmanuel Grégoire ganze Straßen methodisch verwüstet.
Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt auf das Schärfste und kündigte eine rigorose Strafverfolgung an. Zerstörer und Plünderer sollten verfolgt und bestraft werden, erklärte er auf X. Frankreich werde geschlossen gegen die Chaos-Stifter auftreten, die nichts anderes im Sinn hätten, als die Institutionen zu stürzen.
Die Ausschreitungen reihen sich ein in eine Serie von Protestwellen, die Frankreich in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Im Dezember 2018 wurden während der Gelbwesten-Proteste mehr als 1700 Menschen festgenommen, 2023 kam es nach einer tödlichen Polizeikontrolle zu Unruhen mit über 3300 Festnahmen. Die aktuelle Krise verschärft den politischen Druck auf die Regierung wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen 2027.






