Feuerwerkskörper fliegen über den Pufferblock
Schiedsrichter Tobias Reichel setzte das Spiel nach einer zehnminütigen Unterbrechung fort. Auslöser war der massive Einsatz von Pyrotechnik aus dem Hannoveraner Fanblock unmittelbar nach dem zweiten Braunschweiger Tor.
Ein NDR-Reporter im Stadion berichtete, dass die Feuerwerkskörper über einen Pufferblock hinwegflogen. Dort hielten sich ausschließlich Ordnungskräfte und Feuerwehrleute auf. Vermummte Hannover-Fans saßen demnach auf dem Zaun; die Feuerwehr versuchte, sie mit Löschwasser zurück in den Gästeblock zu drängen.
Zwei Tore und ein Ausfall bei der Eintracht
Vor 22.073 Zuschauern brachte Max Marie die Gastgeber in der 17. Minute in Führung. Yann Sturm erhöhte in der zweiten Minute der Nachspielzeit auf 2:0. Braunschweig gelang damit der erste Derby-Sieg seit zwei Jahren und rückte ins Tabellenmittelfeld vor. Für Trainer Lars Kornetka war es der erste Erfolg in diesem Duell.
Die Eintracht musste allerdings ihren Torwart und Kapitän Ron Thorben Hoffmann ersetzen. Nach einer Rettungsaktion wurde er sichtlich benommen vom Platz geführt, Benjamin Uphoff übernahm im Tor.
Hannover 96 blieb unter seinem neuen Trainer Sandro Wagner auch im dritten Spiel ohne Erfolg und rutschte in Richtung Tabellenende.
Vier Verletzte vor dem Anpfiff
Die Polizei beschrieb die Lage vor und während der Begegnung über weite Strecken als ruhig. Rund 1.900 Hannoveraner Anhänger reisten mit einem Sonderzug an und wurden vom Bahnhof zum Stadion begleitet. Beim Marsch von etwa 2.000 Eintracht-Fans meldete die Polizei außer dem Zünden von Pyrotechnik keine Zwischenfälle.
Im Zusammenhang mit einem Fanmarsch wurden vor dem Anpfiff nach Polizeiangaben jedoch insgesamt vier Menschen verletzt. An der Ecke Hamburger Straße und Wendenring traf ein Feuerwerkskörper einen Mitarbeiter der Braunschweiger Verkehrs-GmbH. Er kam ins Krankenhaus.
Nach Informationen von NDR Niedersachsen wurden außerdem zwei Menschen durch Pyrotechnik aufseiten der Heimfans in der Rheingoldstraße am Stadion verletzt. Dort waren zwei Rettungswagen im Einsatz. Zur Ursache der Verletzung der vierten Person lagen zunächst keine Angaben vor.
Für das als Hochrisikospiel eingestufte Derby setzte die Polizei zahlreiche Einsatzkräfte ein. Sie sollten insbesondere die verfeindeten Fangruppen voneinander getrennt halten. Die Bundespolizei hatte für die Anreise zudem eine Allgemeinverfügung erlassen: In den Zügen und an sämtlichen Bahnhöfen entlang der Strecke waren Vermummungsgegenstände, Pyrotechnik und Glasflaschen verboten. Michael Schuol, Präsident der Bundespolizei-Direktion Hannover, kündigte an, Personen bei einer Gefährdung der Sicherheit konsequent vom Reiseverkehr auszuschließen.
Gestohlenes Choreo-Material und Hassplakate
Während die beiden Derbys der vergangenen Saison weitgehend friedlich verlaufen waren, hatten mehrere Vorfälle vor dem ersten Aufeinandertreffen dieser Saison Sorgen vor Ausschreitungen ausgelöst.
Zwei Wochen vor der Partie drangen Vermummte in eine von Eintracht-Anhängern gemietete Halle in Braunschweig ein und stahlen Material für eine Choreografie. Bei den mutmaßlichen Tätern soll es sich um Hannover-96-Anhänger handeln. Die Ermittler leiteten Strafverfahren wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und Raub ein.
Die Braunschweiger Fanszene informierte im Stadion mit Handzetteln über die Folgen des Diebstahls. "Ein Großteil der Choreo befindet sich nicht mehr in unseren Händen", stand darauf. Eine Umsetzung beim Derby sei "schlichtweg nicht mehr möglich" gewesen. Im Gästeblock waren vor und während der Begegnung blau-gelbe Choreo-Teile zu sehen.
Hinzu kamen etwa 40 Plakate mit Hassbotschaften gegen Eintracht Braunschweig, die in der Nacht zum vorangegangenen Dienstag auftauchten. Auch aus Celle, Peine und Gifhorn gab es Berichte über solche Plakate.
Behrens hatte vor weiteren Maßnahmen gewarnt
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hatte sich vor dem Derby mit einem Appell an die Vereine und beide Fanlager gewandt und Konsequenzen für den Fall von Randale angekündigt. "Sollte dies nicht der Fall sein, sehen wir uns gezwungen, zukünftig weitergehende Maßnahmen wie personalisierte Tickets, reduzierte Gästefan-Kontingente oder sogar Geisterspiele anordnen zu müssen", hatte sie gesagt.



