Reaktion auf den Angriff bei Hebron
Bei einem Schusswechsel nahe Hebron kamen zwei israelische Soldaten und zwei Palästinenser ums Leben. Mehrere weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen. Als Reaktion darauf ließ Netanjahu nach Angaben von CNN die Armee anweisen, Hebron umgehend abzuriegeln und für Freitag eine vollständige Schließung des Westjordanlands vorzubereiten.
Stunden später schränkte er seine Ankündigung ein: Nun stellte er eine mögliche Abriegelung von Hebron und Halhul in Aussicht, die gegebenenfalls auf weitere Gebiete ausgedehnt werden könne.
Die israelische Armee teilte mit, sie habe das Fahrzeug der Angreifer gefunden. Darin habe sich eine große Menge Munition befunden. Generalstabschef Ejal Zamir erklärte, diese sei für einen wesentlich größeren Anschlag vorgesehen gewesen. Er kündigte zusätzliche Verhaftungen und eine verstärkte Geheimdiensttätigkeit an.
Räumungspläne und erste Abrissarbeiten
Netanjahu kündigte laut CNN auch an, das Gebiet des Angriffs in Hebron gewaltsam räumen und vollständig umgestalten zu lassen. Dabei verwies er auf das Vorgehen in den Flüchtlingslagern Jenin, Tulkarm, Nur Shams und Al-Far'a Anfang 2025. Die damaligen Einsätze im Westjordanland führten zur Vertreibung Tausender Palästinenser; ganze Viertel wurden geräumt.
Am Freitagnachmittag hatten israelische Kräfte nach dem Bericht von CNN im Hebroner Viertel Farsh al-Hawa mit Abrissarbeiten begonnen. Ein von dem Sender veröffentlichtes Video zeigt, wie ein israelischer Soldat den Bewohnern eines Wohnkomplexes fünf Minuten Zeit gibt, das Gebäude zu verlassen.
Sicherheit und Siedlergewalt als Wahlkampfthemen
Für Netanjahus Bemühungen um den Machterhalt spielen auch die Stimmen der Israelis im Westjordanland eine Rolle, auf die er angewiesen ist. Seine Regierung sieht sich zugleich dem Vorwurf ausgesetzt, der anhaltenden Gewalt radikaler Siedler gegen Palästinenser nicht ausreichend entgegenzutreten. Zu den zuletzt Angegriffenen gehören auch internationale Medienvertreter und europäische Diplomaten.
Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte unterdessen laut taz in einem Podcast der Nachrichtenseite Ynet, Gebiete im Süden des Libanon und im Gazastreifen zu annektieren. Außerdem forderte er einen "Krieg" der israelischen Armee gegen Palästinenser im besetzten Westjordanland mit dem Ziel, die Palästinenserbehörde zu "zerlegen".
Am 27. Oktober 2026 werden die 120 Abgeordneten der 26. Knesset gewählt. Es ist nach Angaben der taz die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gazakrieg. Das Blatt erwartet, dass die sicherheitspolitischen Versäumnisse vor dem Angriff für die Wahlentscheidung eine zentrale Rolle spielen dürften.
Opposition und Streit um die Wahlzulassung
Ende September verständigten sich mehrere jüdische Oppositionsparteien darauf, gemeinsam einen Wahlsieg Netanjahus und seiner Koalition zu verhindern. Laut taz beteiligten sich Gadi Eisenkot, Naftali Bennett, Jair Lapid, Jair Golan und Avigdor Lieberman an dem Treffen. Arabische Oppositionsparteien nahmen daran nicht teil.
Um deren Wahlzulassung gab es ebenfalls Auseinandersetzungen. Nach der Darstellung in der deutschsprachigen Wikipedia beschloss das zentrale Wahlkomitee im September auf Antrag der Regierungskoalition den Ausschluss der Vereinigten Arabischen Liste (Ra'am) und der Vereinten Liste. Anfang Oktober hob das Oberste Gericht diesen Beschluss größtenteils auf. Bestehen blieb jedoch der Ausschluss des Balad-Vorsitzenden Sami Abu Shehadeh.
ZDFheute live analysiert die Lage
Die Folgen einer Abriegelung für die Menschen im Westjordanland und die politische Lage vor der Wahl stehen im Mittelpunkt von ZDFheute live. Christian Hoch spricht darüber mit dem Israel-Korrespondenten Thomas Reichart und dem Nahost-Experten Jan Busse.






