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Liebe und Neuanfang in der Frontstadt: Wie ein Paar in Isjum trotz Krieg ein Geschäft aufbaut

Witalij Papirnyj und Lilija Dschemiljewa mussten ihre Heimat im Osten der Ukraine verlassen. In der frontnahen Stadt Isjum fanden sie nicht nur zueinander, sondern bauen mitten in der Zerstörung ein erfolgreiches Geschäft auf.

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Eine Stadt gezeichnet vom Krieg

In Isjum, nur 30 Kilometer von der Front entfernt, scheint die Zeit stillzustehen. Die Stadt, die vor dem Krieg rund 50.000 Einwohner zählte, trägt die Narben der russischen Besatzung deutlich sichtbar. Etwa 80 Prozent aller Gebäude wurden während der sechsmonatigen Okkupation von April bis September 2022 beschädigt oder vollständig zerstört. Rund 1.000 Zivilisten verloren ihr Leben.

Doch mitten in diesem Ort der Verwüstung entsteht etwas Neues: Witalij Papirnyj und Lilija Dschemiljewa haben hier nicht nur zueinander gefunden, sondern betreiben gemeinsam zwei Take-away-Restaurants, einen Pizzadienst, einen Foodtruck und eine Wäscherei. Sie beschäftigen 23 Menschen und planen bereits die Eröffnung eines weiteren Restaurants.

Beide mussten wegen des russischen Angriffskriegs ihre Heimat weiter im Osten verlassen. Sie gehören zu den 3,7 Millionen Binnenvertriebenen in der Ukraine – Teil einer der größten Fluchtbewegungen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt flohen 5,9 Millionen Menschen in andere Länder.

Geschäft mit den Soldaten

Die Lage in Isjum bleibt prekär. Die Straßen und Gebäude sind mit hunderten Kilometern Anti-Drohnen-Netzen überspannt, die vor russischen Angriffen schützen sollen. Selbst Kindergärten und öffentliche Plätze verschwinden unter diesen Schutzvorrichtungen. Die Front rückte 2025 um 20 Kilometer näher an die Stadt heran.

Trotzdem ist Isjum zu einem wichtigen militärischen Logistikzentrum geworden. Ständig passieren Truppen und schweres Militärgerät die Stadt. Zwischen ihren Einsätzen ruhen sich Soldaten hier aus – und sie sind es, die das Geschäft am Laufen halten. Die militärische Präsenz hat das alltägliche Leben grundlegend verändert: Soldaten mieten Wohnungen, kaufen in lokalen Geschäften ein und sind zu den Hauptkunden vieler Betriebe geworden. Sie treiben die Nachfrage nach Wohnraum in die Höhe und schaffen Geschäftsmöglichkeiten in einer Stadt, die sich immer noch von der massiven Zerstörung erholt.

Papirnyj und Dschemiljewa liefern den Soldaten, was diese benötigen. Ihr Unternehmen floriert unter diesen außergewöhnlichen Umständen.

Verwurzelt in der Heimat

Die beiden hätten die Ostukraine verlassen können. Doch sie entschieden sich dagegen.

Wir sind Dörfler, wir sind in unserem Land verwurzelt
sagt Papirnyj.

Es mache keinen Sinn, zu viel zu grübeln. Schließlich könne jederzeit etwas passieren.

Diese Haltung – das Leben muss weitergehen, auch im Krieg – prägt viele Ukrainerinnen und Ukrainer. Während die Bevölkerung von Isjum während der Besatzung auf nur 14.000 Menschen schrumpfte, kehren seit der Befreiung am 10. September 2022 allmählich Bewohner zurück. Trotz der Zerstörung ziehen Familien hierher, manche investieren in Geschäfte.

Was nach der Befreiung ans Licht kam, belastet die Stadt schwer: Strafverfolgungsbehörden entdeckten in einem nahen Wald ein Massengrab, aus dem 451 Leichen exhumiert wurden. Viele trugen Spuren gewaltsamen Todes und Folter. Mindestens zehn Folterstätten wurden in der Stadt gefunden.

Zwischen Alltag und Gefahr

Isjum ist heute ein Ort der Widersprüche. Ein Ort, wo sich die Lage täglich verschlechtert und gleichzeitig Menschen einen Neuanfang wagen. Wo Zerstörung und Aufbau, Trauma und Hoffnung nebeneinander existieren.

Für Papirnyj und Dschemiljewa ist die frontnahe Stadt mehr als ein Zufluchtsort geworden. Hier bauen sie mitten im Elend etwas Neues auf: ein Geschäft und eine Liebe. Ihre Geschichte zeigt, dass selbst unter schwersten Bedingungen Leben möglich ist – auch wenn die Zukunft ungewiss bleibt.

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