Eine Stunde mehr Schlaf, früher dunkel
Die erneute Umstellung greift Kasupke in seiner Kolumne in der Berliner Morgenpost vom 25. Oktober auf. Dem zusätzlichen Schlaf kann er angesichts des Wetters noch etwas abgewinnen. Dass es nun eine Stunde früher dunkel wird und wieder die Zeitanzeigen der Geräte angepasst werden müssen, ärgert ihn dagegen.
Sein Spott gilt auch der europäischen Uneinigkeit: Die Länder könnten ihre Eigenheiten behalten und sich trotzdem auf eine Zeit verständigen, findet der Kolumnist. Solange das nicht gelingt, bleibt ihm das Einstellen seiner digitalen Uhren – vorausgesetzt, er findet die Gebrauchsanleitungen.
Das Parlament ist dafür, im Rat fehlt die Einigung
Der Vorstoß zur Abschaffung reicht Jahre zurück. Bei der öffentlichen Konsultation der EU-Kommission vom 4. Juli bis zum 16. August 2018 gingen rund 4,6 Millionen Rückmeldungen ein. Nach Angaben des Europäischen Parlaments befürworteten 84 Prozent der Teilnehmenden ein Ende der halbjährlichen Umstellung.
Am 26. März 2019 unterstützte das Europäische Parlament den entsprechenden Kommissionsvorschlag in erster Lesung. Dafür stimmten 410 Abgeordnete, dagegen 192; 51 enthielten sich. Ursprünglich sollte die Umstellung ab 2021 entfallen. Ein abgeschlossenes EU-Gesetzgebungsverfahren war dieses Votum jedoch nicht.
Im Legislativ-Fahrplan des Parlaments wird das Verfahren 2018/0332(COD) mit Stand vom 20. September 2026 als blockiert geführt. Die Blockade liegt demnach beim Rat der EU: Dort konnten sich die Mitgliedstaaten bislang nicht auf eine gemeinsame Position verständigen.
Testlauf vorgeschlagen, Folgenstudie läuft
Die polnische Ratspräsidentschaft schlug 2025 vor, eine dauerhafte Sommerzeit zwei Jahre lang EU-weit zu testen. Nach einem Dokument des Rates befasste sich die zuständige Arbeitsgruppe mit dem Vorschlag. Die Mitgliedstaaten verlangten dabei zusätzliche Analysen; ein beschlossener Testlauf ist daraus bislang nicht geworden.
Auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez setzte sich im Oktober 2025 erneut für die Abschaffung ein. Er begründete seine Forderung damit, dass die Zeitumstellung kaum Energie spare und der Gesundheit schade. Für 2026 kündigte er an, das Thema erneut voranzutreiben.
Seit Februar 2026 lässt die EU-Kommission die Folgen einer Abschaffung untersuchen. Das beauftragte Konsortium aus Ecorys, Capgemini, Stratec und CE Delft soll zehn Umsetzungsszenarien prüfen. Laut dem Ratsdokument wird der Abschluss der Studie bis Ende 2026 erwartet.
Die geltenden Regeln und der nächste Wechsel
Bis zu einer Änderung gilt die EU-Richtlinie 2000/84/EG. Sie legt die Sommerzeit auf den Zeitraum zwischen dem letzten Sonntag im März und dem letzten Sonntag im Oktober fest. Nicht alle europäischen Länder stellen ihre Uhren um: Russland, Island und Belarus gehören laut timeanddate.com zu den Ländern ohne diesen Wechsel.
Die nächste Sommerzeit in Europa beginnt nach den geltenden Regeln am 28. März 2027.






