Kerstin Lee Langley ist tot: Tatverdächtige meldete sich schon 2012
Die Polizei Oberpfalz hat am Montag einen Durchbruch in einem 19 Jahre alten Vermisstenfall bekannt gegeben: Kerstin Lee Langley, die seit 2007 spurlos verschwunden war, ist tot. Bei Grabungsarbeiten im Bereich Kadenzhofen, einem kleinen Dorf mit rund 135 Einwohnern in der Gemeinde Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz, wurden am 9. Oktober menschliche Überreste entdeckt. Sechs Knochen konnten geborgen werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit der damals 39-Jährigen zuzuordnen sind.
Drei Personen stehen unter Tatverdacht: ein 66-jähriger Mann, eine 56-jährige Frau sowie ein weiterer Mann, der 2024 verstarb. Bei dem Verstorbenen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft Regensburg um den ehemaligen Lebensgefährten des Opfers. Die tatverdächtige Frau ist die Ex-Ehefrau dieses Mannes, der dritte Verdächtige war ihr damaliger Mitbewohner. Gegen die beiden noch lebenden Beschuldigten wurden Haftbefehle erlassen.
Bereits 2012 erstmals Hinweise auf die Tat
Bemerkenswert ist, dass sich die heute 56-jährige Tatverdächtige bereits im Jahr 2012 bei der Polizei gemeldet hatte. Damals gab sie an, ihr Ex-Mann habe zwei Frauen getötet, darunter Kerstin Lee Langley. Die Ermittlungen verliefen jedoch im Sand, unter anderem weil eine der beiden angeblich getöteten Frauen noch lebte. Die Glaubwürdigkeit der Frau wurde in Zweifel gezogen.
Im August 2026 meldete sich die Frau erneut bei den Behörden.
Sie möchte reinen Tisch machen
Sie legte ein umfangreiches und detailliertes Geständnis ab und führte die Ermittler zu der Stelle, an der die Leiche vergraben worden war.
Ihre Aussage im August dieses Jahres wies viele Parallelen zu ihrer Aussage im Jahr 2012 auf
Für uns hat sich all das, was sie gesagt hat, als wahr herausgestellt.
Geplante Tötung in der Wohnung des Opfers
Laut Staatsanwalt Thomas Rauscher von der Staatsanwaltschaft Regensburg verabredeten sich die drei Beschuldigten im Jahr 2007, Kerstin Lee Langley zu töten.
Alle hatten einen Groll auf Frau Lee Langley
In der Wohnung der späteren Getöteten in Regensburg, der Hauptstadt der Oberpfalz, kam es schließlich zu einem Aufeinandertreffen aller Beteiligten.
Zunächst versuchte die tatverdächtige Frau, Lee Langley zu erwürgen. Als dies misslang, habe einer der beiden Männer die 39-Jährige bis zu ihrem Tode gewürgt. Der damalige Lebensgefährte soll in den Tötungsplan eingeweiht gewesen sein, an der Tat selbst aber nicht unmittelbar beteiligt gewesen sein. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Totschlag. Nach deutschem Strafrecht ist Totschlag gemäß § 212 StGB die vorsätzliche Tötung eines Menschen ohne die erschwerenden Merkmale, die einen Mord ausmachen würden. Die Strafandrohung reicht von fünf bis fünfzehn Jahren Haft, in besonders schweren Fällen bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe.
Täuschungsmanöver des Ex-Partners
Nach der Tat hatte der Ex-Partner der Vermissten gegenüber den Behörden erklärt, Kerstin Lee Langley habe sich von ihm getrennt und sei mit einem "alten Freund" in einem Auto davongefahren. Dieser angebliche Freund konnte nie ausfindig gemacht werden. Kerstins Bruder hatte sie 2007 als vermisst gemeldet, woraufhin intensive Ermittlungen einsetzten, die jedoch jahrelang erfolglos blieben.
Der Fall erreichte auch öffentliche Aufmerksamkeit: Die Kriminalpolizei suchte mit Unterstützung der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" nach Hinweisen aus der Bevölkerung. Das seit Jahrzehnten ausgestrahlte Format bittet regelmäßig um Mithilfe bei ungeklärten Verbrechen. Trotz dieser Bemühungen gelang erst jetzt der Durchbruch.
Seltener Fall einer jahrzehntelangen Vermissung
Die lange Dauer des Falls ist außergewöhnlich. Laut Daten der deutschen Polizeibehörden werden etwa 80 Prozent aller Vermisstenfälle innerhalb des ersten Monats geklärt. Lediglich rund drei Prozent der vermissten Personen bleiben länger als ein Jahr verschwunden. Der Fall Kerstin Lee Langley gehört damit zu jenen seltenen ungeklärten Fällen, die über viele Jahre hinweg die Angehörigen und Ermittler beschäftigen.
Staatsanwalt Rauscher betonte, dass ohne das Geständnis der Frau der Fall wohl bis heute nicht aufgeklärt worden wäre. Dies könne sich strafmildernd auswirken. Die Ermittlungen der Polizei Oberpfalz, einer von zehn regionalen Polizeidirektionen Bayerns mit Hauptsitz in Regensburg, dauern an. Die Behörde ist für ein Gebiet von rund 9.690 Quadratkilometern mit etwa 1,08 Millionen Einwohnern zuständig und beschäftigt rund 2.800 Beamte. Das Ermittlungsverfahren werde voraussichtlich noch mehrere Monate in Anspruch nehmen, so Rauscher.
Der Fall zeigt, dass auch nach langer Zeit Verbrechen aufgeklärt werden können.
Die Polizei bat weitere mögliche Zeugen oder Mitwisser, sich dringend zu melden. Für die Angehörigen von Kerstin Lee Langley bringt die Aufklärung nach 19 Jahren Ungewissheit zumindest Gewissheit über das Schicksal der Mutter.





