Dramatischer Kurssturz trotz operativer Stärke
Die Aktie des Augsburger Getriebespezialists RENK hat einen dramatischen Absturz hinter sich. Von ihrem Rekordhoch Anfang Oktober 2025 bei 90,34 Euro stürzte der Kurs bis auf 33,485 Euro ab – ein Minus von rund 63 Prozent. Damit ist RENK der mit Abstand größte Verlierer unter den großen deutschen Rüstungsaktien seit dem Höhepunkt des Verteidigungssektors. Doch ausgerechnet im Oktober 2026, ein Jahr nach dem spektakulären Rekordlauf, sendet der Chart des MDAX-Titels erste Lebenszeichen.
Der Kursverfall steht im krassen Gegensatz zur operativen Entwicklung des Unternehmens. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte RENK den Umsatz um fast 20 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro, das Verteidigungsgeschäft wuchs sogar um 24 Prozent. Der Auftragsbestand erreichte mit 6,68 Milliarden Euro einen Rekordwert. Diese fundamentale Stärke spiegelt sich jedoch nicht im Aktienkurs wider.
Vom Börsenliebling zum Problemfall
Die Geschichte der RENK-Aktie begann vielversprechend. Am 7. Februar 2024 erfolgte der Börsengang in Frankfurt als erster IPO des Jahres in Deutschland. Die Aktie startete bei 17,50 Euro, 17 Prozent über dem Ausgabepreis von 15,00 Euro. Der Finanzinvestor Triton hatte RENK 2020 vom Volkswagen-Konzern für knapp 700 Millionen Euro erworben und brachte das Unternehmen mit einer Bewertung von 1,75 Milliarden Euro an die Börse – mehr als eine Verdopplung des Werts in nur vier Jahren.
Der Höhenflug setzte sich fort: Am 24. März 2025 wurde RENK in den MDAX aufgenommen, nachdem die Aktie seit dem IPO um 149 Prozent auf 37,38 Euro gestiegen war. Das Unternehmen profitierte von seiner Monopolstellung als alleiniger Lieferant von HSWL 354-Getrieben für den Kampfpanzer Leopard 2. Diese Getriebe werden seit über vier Jahrzehnten eingesetzt. RENK beliefert zudem weitere Militärfahrzeuge wie Puma und Lynx.
Strategische Neuausrichtung auf Verteidigung
Auf einem Capital Markets Day im November 2025 verkündete RENK ambitionierte Pläne: Der Umsatzanteil des Verteidigungsgeschäfts soll bis 2030 auf rund 90 Prozent steigen. Das Unternehmen strebt einen Konzernumsatz von 2,8 bis 3,2 Milliarden Euro bis 2030 an. Diese Ankündigung erfolgte auf dem Höhepunkt der Branchenbewertungen.
Das Jahr 2025 war für deutsche Rüstungsaktien außergewöhnlich erfolgreich. RENK legte um 203 Prozent zu, Rheinmetall um 191 Prozent und HENSOLDT um 144 Prozent. Doch 2026 folgte die Ernüchterung. Der gesamte Sektor geriet unter Druck, nachdem Deutschland am 24. Juni 2026 den Bau von sechs Kriegsschiffen absagte. Rheinmetall verlor an diesem Tag fast 19 Prozent, RENK 7,2 Prozent.
Aktuelle Bewertung und Ausblick
Am 13. Oktober 2026 schloss die RENK-Aktie bei 33,89 Euro auf Xetra, 36,8 Prozent unter dem Jahresendschluss 2025 von 53,62 Euro. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 33,49 Euro, das 52-Wochen-Hoch bei 90,34 Euro. Trotz des massiven Kursrückgangs gibt es strategische Investoren, die Vertrauen signalisieren: KNDS, einer der größten Kunden von RENK, erwarb beim Börsengang Aktien im Wert von 100 Millionen Euro und hält 6,7 Prozent mit dem Recht, den Anteil später auf bis zu 25 Prozent aufzustocken.
Am 21. Oktober 2026 steht ein Pre-Close-Call für Analysten und Investoren in Augsburg an, bei dem das Unternehmen die Geschäftsentwicklung der ersten neun Monate des laufenden Jahres präsentieren wird. Die Ergebnisse dürften Hinweise darauf geben, ob die operativen Erfolge aus 2025 Bestand haben und ob die technischen Erholungssignale im Chart auf eine fundamentale Trendwende hindeuten.






